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Nadja Frank und Jomar Statkun

Die Arbeit von Nadja Frank und Jomar Statkun bewegt sich an der Schnittstelle von Malerei, Installation und prozesshafter Skulptur. Im Kubus – Kunstleerer Raum in Würzburg, einem leeren, würfelförmigen Raum, dessen Boden aus 25 quadratischen Fliesen besteht, entsteht ein ortsspezifisches „Gemälde“, das nicht auf Leinwand, sondern direkt auf dem Boden angelegt ist: aus Körnern, Samen und Nüssen .

Zunächst erscheint die Arbeit wie eine abstrakte Malerei. Farbflächen, Übergänge und Verdichtungen formen eine Komposition, die an die Farbstudien von Josef Albers erinnert. Gleichzeitig verweist die Rasterstruktur des Bodens auf ein modulares Ordnungssystem, das sich mit der Verwendung taktiler Materialien verbindet und an die textile Denkweise von Anni Albers anknüpft. Doch im Gegensatz zu Malerei oder Textil ist dieses Bild nicht fixiert. Es liegt lose auf dem Boden, ist dem Raum ausgesetzt und bleibt bewusst instabil.

Das verwendete Material trägt bereits die Möglichkeit seiner Auflösung in sich. Körner und Samen sind nicht nur Träger von Farbe und Form, sondern auch Nahrung. Damit verschiebt sich die Funktion des „Bildes“: Es wird zu etwas, das genutzt, verändert und schließlich konsumiert werden kann. Vögel und andere Tiere treten als unvorhersehbare Akteur:innen in Erscheinung und greifen aktiv in die Arbeit ein. Sie tragen Teile davon fort, ordnen es neu oder lassen es vollständig verschwinden.

So entsteht ein Werk, das sich verändert und dessen endgültige Form nicht festgelegt ist. Der künstlerische Prozess endet nicht mit der Fertigstellung der Komposition, sondern setzt sich immer weiter fort. Zeit, Wetter und tierische Interventionen werden zu integralen Bestandteilen der Arbeit.

Im Kontext des Kubus wird der ansonsten leere Raum durch die Arbeit temporär aktiviert. Das Raster aus Bodenfliesen dient dabei sowohl als strukturelles Gerüst als auch als kompositorische Orientierung, die zugleich aufgegriffen und unterlaufen wird. Das „Gemälde“ existiert nur für eine begrenzte Dauer und entzieht sich bewusst der dauerhaften Konservierung. Es verweist auf Kreisläufe von Entstehen und Vergehen und erweitert zugleich das Erbe der Albers in eine ökologische und partizipative Dimension, in der Farbe, Material und Struktur Teil eines lebendigen Austauschs werden.

Was bleibt, ist weniger ein Objekt als eine Handlung: das Auslegen, das Beobachten, das Verschwinden. Ein Bild, das sich selbst auflöst und in einen lebendigen Dialog mit seiner Umgebung tritt.